18. Mai 2020

Der große Trip zu dir selbst - Cheryl Strayed

★★★★✰
kailash
384 Seiten, 14,99€
Erschien am: 08.03.2016

Kurzbeschreibung
Cheryl Strayed begeisterte Millionen Menschen mit ihrem Weltbestseller »Der große Trip«. Doch wir brauchen uns nicht in die Wildnis zu begeben, um uns selbst zu finden, das Leben fordert uns jeden Tag heraus: Wir verlieren einen geliebten Menschen, werden betrogen, können Rechnungen nicht bezahlen. Oder: Wir ergattern den Traumjob, haben den besten Sex unseres Lebens, schreiben die erste Zeile unseres Romans. Cheryl Strayed beantwortete jahrelang Fragen von Online-Lesern zu Liebe, Sex, Freundschaft, Arbeit und Sinn. Dieses Buch versammelt das Herzstück ihrer Ratschläge zum Selbstfindungsabenteuer Leben – unverblümt, offen, mitfühlend und herzzerreißend ehrlich.

Meine Meinung
Cheryl Strayed, das ist doch die, die diesen Weg durch die Wildnis in den USA gewandert ist, oder? Das haben die doch auch verfilmt, oder? Mit Reese Witherspoon, kann das sein? Ja - ganz genau.

Auch ich habe Cheryl Strayed so kennengelernt, über ihr Buch "Wild - Der große Trip". Dieses Buch gehört bis heute zu einem meiner absoluten Lieblingsbüchern, weswegen ich mich auf alles stürze, was von der Autorin erscheint.

Bei diesem Buch handelt es sich allerdings weder um einen Reisebericht, noch um einen Roman. Die Autorin hat über lange Zeit einen Blog geführt, über den sich immer wieder Menschen mit ihren Sorgen, Nöten und Gedanken an sie gewandt haben. Wir finden hier also das, was Leserinnen und Leser an Cheryl geschrieben haben und ihre Antworten darauf. Es ähnelt in gewisser Weise einen Briefroman, wobei die Empfänger von Cheryls Ratschlägen immer wieder wechseln. Es ist dabei im Hinterkopf zu behalten, dass die Autorin keine Therapeutin ist. Doch hat sie trotzdem eine Menge kluger, emotionaler und hilfreicher Tipps und Geschichten, die sie gerne teilen möchte. Wie man in ihrem Buch "Wild - Der große Trip" schon lesen konnte, hat sie in ihrem Leben bisher eine Menge erlebt. Viel Schmerz, Verzweiflung und Verlorenheit, aber ebenso eine Menge Hoffnung und Glück. Wenn ich ihre Antworten auf die Nachrichten ihrer Blog-LeserInnen lese, spricht aus fast jedem Satz eine unglaubliche Stärke. Die Stärke, die sie durch schwere Zeiten bekommen hat und die sie jetzt weitergeben möchte. Und ich finde, das gelingt ihr.

Mir hat dieses Buch gut gefallen, doch muss ich zugeben, ich habe es nicht von vorne bis zum Ende durchgelesen. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich wirklich jede Nachricht gelesen habe oder mir nicht doch irgendwo eine durchgerutscht ist. Das Buch hat ein Konzept, das ist keine Frage, ein roter Faden, der sich von Beginn bis zum Ende zieht. Dieser ist jedoch nicht immer erkennbar, was mich dazu verleitet hat, häufig quer zu lesen. Ein paar Mails übersprungen, mal weiter hinten eingestiegen, dann wieder weiter vorne. Deswegen gebe ich dem Buch nur vier von fünf Sternen, da ich mir gewünscht hätte, dass sich dieser rote Faden etwas deutlicher durch die Abschnitte zieht.

Nichtsdestotrotz empfehle ich dieses Buch jedem weiter, der manchmal Fragen hat, auf die es keine klar ersichtlichen Antworten gibt. Egal ob über den Sinn des Lebens, eine gute Freundin, die Partnerin, den Geliebten, Mutter, Vater, Bruder, ganz egal. Man findet in diesem Buch vielleicht nicht 'den einen' Ratschlag, der alle Probleme löst, aber wahrscheinlich eine Menge andere, die zum Nachdenken anregen und bei der eigenen Reflexion helfen können.








Wir hier draußen - Andrea Hejlskov

★★★★★
btb Verlag 
304 Seiten, 10,00€
Erschien am: 08.07.2019

Kurzbeschreibung
Andrea Hejlskov ist sich sicher: So kann es nicht weitergehen. Die täglichen Mühen der Arbeit, die Kinder vor ihren Computern. Das ist nicht das Leben, das sie führen wollen. Sie wollen weg von der Zivilisation, raus in die Natur. Als ihnen eine Hütte in den schwedischen Wäldern angeboten wird, geht plötzlich alles ganz schnell. Doch einmal dort draußen angekommen, muss die Familie die grundlegendsten Dinge des täglichen Lebens neu lernen...
Mit bemerkenswerter Ehrlichkeit erzählt Andrea Hejlskov von einem radikalen Entschluss: einem wahnwitzigen Aufbruch ins Grüne, aber auch ins Ungewisse. Die Geschichte einer Familie, die ihr Leben komplett verändert - und dadurch ganz neu zusammenfindet.

Meine Meinung
Ein Buch, das einen in den Wald gehen lässt. Ganz unbemerkt, unauffällig zieht es einen zu den Bäumen hin, in die Ruhe und den Frieden zwischen den Ästen. Wenn man dieses Buch liest, wird man in den Wald gehen, da bin ich mir sicher, weil durch die Seiten die Kraft der Natur strömt.

Wir hier draußen ist ein Roman, kein Bericht, der von dem Selbstversuch einer Familie erzählt. Nein, zu keinem Moment wird die Handlung berichtähnlich, trocken oder nüchtern wiedergegeben, sondern immer stets emotional und echt, sodass man zwischenzeitlich vergisst, dass es keine erdachte, sondern eine wahre Geschichte ist.
Das fällt auch besonders bei den Charakteren auf. Uns begegnen hier wirklich starke Menschen, die mit viel Ausführlichkeit beschrieben werden. Auf diese Weise entsteht nicht nur eine Menge Sympathie zu ihnen, man kann auch ihre Beweggründe vollständig nachvollziehen und sich zu jedem Zeitpunkt in sie hineinversetzen.
Die Geschichte wird aus der Perspektive der Mutter der Familie erzählt, also von der Autorin Andrea Hejlskov höchst persönlich und das mit einem lockeren Schreibstil, bei dem sich problemlos schnell mal 100 Seiten auf einmal lesen lassen. Mal traurig und gefühlvoll, mal heiter und witzig. Dabei bleibt sie vor allem eines: ehrlich! Alle Erfahrungen, die die Familie während ihres Jahres im Wald macht, sind zu jedem Zeitpunkt absolut authentisch geschildert und in keinem Moment romantisch verklärt. Genauso wie alle schönen, glücklichen Augenblicke, werden jene thematisiert, die offenbaren, dass nicht alles nach Plan läuft. Geplatzte Träume, nicht erfüllte Hoffnungen, Entfremdung und Verzweiflung. Durch diese Authentizität kann man eine schon fast freundschaftliche Verbindung mit der Familie aufbauen, man hat das Gefühl sie schon nach wenigen Kapiteln wirklich gut zu kennen.

Wir hier draußen hat meine Erwartung übertroffen. Nachdem ich es bereits schon ein paar Male verliehen habe (man muss es einfach weiterempfehlen!), hat es jetzt einen besonders schönen Platz in meinem Bücherregal bekommen und den wird es sicher auch nicht so schnell wieder verlassen.


Photo by Fabian Mardi on Unsplash




Am Ende das Glück der Welt - Sophia Bergmann




★★★✰✰

Diana
336 Seiten, 9,99€
Erschien am: 14.01.2019

Kurzbeschreibung
Nach ihrer Scheidung braucht Ellen dringend einen Neuanfang, da kommt ihr beim Ausräumen des gemeinsamen Hauses die perfekte Idee. Sie findet das „Ja, heirate ihn“-Buch, ein Geschenk ihres Ex-Mannes. Er hatte Freunde aus der ganzen Welt damit beauftragt, auf Postkarten zu erklären, warum Ellen ihn heiraten sollte. Die schönsten band er zu einem Buch und eroberte Ellens Herz damit endgültig. Es sollte der Auftakt zu einer Weltreise sein – zu der es nie kam. Jetzt will Ellen endlich die Menschen besuchen, die ihr vor über fünfzehn Jahren eine Liebe prophezeit haben, die sich in Luft auflöste ...

Meine Meinung
Es ist wieder einmal passiert. 
"Am Ende das Glück der Welt" sorgte mit seinem Cover bei mir für ein Strahlen in den Augen und ein Hinwegsehen über den Klappentext, der sich für mich okay anhörte, jedoch keine allzu große Begeisterung hervorrief. Ich dachte mir, vielleicht wird es mich ja doch noch positiv überraschen - das passierte allerdings nicht.
Vorab sei also gesagt, ich habe von diesem Buch nicht erwartet, dass es mein Leben verändern würde und nahm an, dass es sich um einen locker-leichten "Plätscherroman" handelt. Demnach hat mich dieses Buch nicht begeistert, aber weil ich genau damit gerechnet hatte, am Ende auch nicht enttäuscht.

Mit der Protagonistin Ellen wurde ich leider nicht wirklich warm. Ihr Handeln war mir oft zu vorhersehbar, teils etwas plakativ, weswegen ich keine große Sympathie zu ihr empfand. Ich hätte mir für sie an einigen Stellen mehr Tiefe gewünscht, für die auch zweifellos Potenzial und Gelegenheit gewesen wäre. Ähnlich wirkten einige Charaktere in ihrer Darstellung sehr plump und unreflektiert, was mein persönliches Leseerlebnis stark beeinflusste.
Thematisch gesehen ist zu vermuten, dass ich mit meinen 23 Jahren nicht ganz zur angestrebten Zielgruppe gehöre, weswegen ich dem Buch trotzdem 3 von 5 Sternen gebe, auch wenn die Handlung mich persönlich nicht angesprochen hat. Die Autorin hat einen angenehm flüssigen und einfachen Schreibstil, der eine leichte und entspannte Lektüre ermöglicht. Es müssen nicht immer komplizierte schwedische Bestseller sein, manchmal hat man eher Lust auf ein Buch wie dieses. Das sich entspannt auf dem Balkon in der Sonne lesen lässt, während leise Musik im Hintergrund läuft und bei dem man immer mal wieder aufblicken kann, die Vögel beobachten und von der Ferne träumen. Dafür ist dieses Buch nämlich genau das Richtige, denn es macht Lust aufs Reisen, Begegnungen mit Menschen und das Verlassen des alltäglichen Trotts zugunsten eines kleinen Abenteuers.


Photo by Barbara Maier on Unsplash


Trotz alldem - Hannes Wader



★★★★
Penguin
593 Seiten, 28,00€
Erschien am: 28.10.2019

Kurzbeschreibung
„Trotz alledem“: Hannes Waders Lebensgeschichte ist Arbeiterlied, Folksong und großer deutscher Gesellschaftsroman zugleich, geschrieben vom legendären Songwriter selbst. Kraftvoll, berührend, episch und poetisch wie in seinen Liedern erzählt Hannes Wader, was ihn und seine Musik geprägt hat: Nachkriegszeit auf dem Land, 68er-Jahre in Berlin, Deutscher Herbst, Friedensbewegung, der Kampf für eine gerechtere Welt und der Abschied von Illusionen. Ein Leben unter Frauen und Künstlern, mit Hunden und Pferden, Georges Brassens und Bob Dylan. Dieses Buch ist durch und durch Wader: direkt und aufrichtig, humorvoll, sarkastisch und nachdenklich-kritisch, voller Achtung für alle, die von einer besseren Welt träumen und für sie handeln.

Meine Meinung
 Mit diesem Buch erhält man vor allen Dingen eines: eine wirklich gelungene Biografie. Hannes Waders Schreibstil ist nicht trocken, sondern poetisch und ehrlich, wie seine Lieder, manchmal emotional und ergreifend oder heiter und komisch. Sein Leben beschreibt er an vielen Stellen äußerst selbstkritisch und es wird deutlich, wie intensiv er über das reflektiert, was er erlebt hat. Dabei hat es nie einen heroischen Charakter, der Musiker bleibt so nahbar und sympathisch wie man ihn kennt.
Manchmal gleicht sein Schreiben einem regelrechten Erinnerungsstrom, bei dem man verwundert und beeindruckt zugleich zurückbleibt und fragt, wie er all das nur so genau in Erinnerung behalten konnte. Garniert ist die Biografie mit wirklich schönen, aussagekräftigen Fotografien, die nicht eine einfache Ansammlung von Pressebildern sind, sondern wirklich mit Bedeutung und Hintergrund.
Ich persönlich bin ein großer Fan von Hannes Wader und fand seine Texte und Lebensgeschichte schon immer faszinierend und bewegend. Deswegen habe ich mich sehr auf dieses Buch gefreut, das mit seiner Größe und seinem Umfang einem regelrechten Monument gleicht. Es handelt sich hierbei um eine wirklich, wirklich umfangreiche Autobiographie, wie man sie sonst eher selten in den Bücherregalen findet. Man muss sich dieser Ausführlichkeit schon vorher bewusst sein, dann wird es beim Lesen auch nicht zu lang, sondern gerade dieser Umfang zur Stärke des Buches.